«Gelddrucken» ist nicht eine einzige Sache. Gemeint ist meist eine von drei Größen, und die können gleichzeitig in verschiedene Richtungen zeigen. Diese Seite liest jede davon aus den veröffentlichten Daten ab und sagt klar, welche steigen.
Auf Basis der letzten sechs Monate wachsen alle drei Größen — Fed-Bilanz, Nettoliquidität, Geldmenge M2. Im umgangssprachlichen Sinne trifft «Gelddrucken» derzeit auf alle drei Lesarten zu.
Bei allen drei Größen: ja · 2026-07-23
Die drei Größen
Fed-Bilanz
$6.75TSteigend
Der wörtliche Kanal. Steigt sie, kauft die Fed Aktiva und schafft Reserven; fällt sie, laufen Papiere aus.
Veränderung 6 Monate
+0,16 Billionen US-Dollar
Gegenüber Vorjahr
+1,3 %
Nettoliquidität
$5.87TSteigend
Fed-Aktiva minus Kassenkonto des Finanzministeriums minus ON RRP — der Teil, der tatsächlich im Bankensystem ankommt.
Veränderung 6 Monate
+0,17 Billionen US-Dollar
Gegenüber Vorjahr
−4,3 %
Geldmenge M2
$23.06TSteigend
Breit gefasste Geldmenge in privater Hand. Sie entsteht überwiegend durch Bankkredite, nicht direkt durch die Fed.
Veränderung 6 Monate
+0,70 Billionen US-Dollar
Gegenüber Vorjahr
+5,6 %
Warum die drei auseinanderlaufen können
Die Fed schafft Reserven, Banken schaffen Einlagen. Das sind verschiedene Vorgänge, und nur der erste ähnelt dem «Drucken». M2 kann kräftig wachsen, während die Fed-Bilanz schrumpft, weil die Kreditvergabe der Banken Einlagen schneller schafft, als der Bilanzabbau Reserven vernichtet — ungefähr so sieht ein normaler Aufschwung aus.
Die Nettoliquidität weicht am häufigsten von der Schlagzeile ab. Die Fed kann gar nichts hinzufügen, und die Nettoliquidität steigt trotzdem — schlicht weil das Finanzministerium sein Konto bei der Fed abbaut oder der ON-RRP-Bestand sinkt. In beiden Fällen fließt Geld ins Bankensystem, gedruckt hat es aber niemand: Es war schon da, nur anderswo geparkt.
Wie echtes «Gelddrucken» aussieht
Großvolumige Anleihekäufe sind unverkennbar: Die Bilanz dreht steil nach oben, die Reserven steigen Woche für Woche mit, und das Kassenkonto des Finanzministeriums fällt nicht entsprechend. So sah 2020 aus — mehrere Billionen in weniger als einem Jahr.
Weit häufiger ist ein langsames Driften: Käufe zur Reservesteuerung halten die Bilanz nominal ungefähr konstant, während die Wirtschaft ringsum wächst. Das ist Instandhaltung, kein Stimulus — und beides zu verwechseln ist der mit Abstand häufigste Fehler in diesem Feld.
Die Größe, auf die es stattdessen ankommt
Lautet die eigentliche Frage «stützt das die Vermögenspreise?», taugt keine der drei allein als Maßstab. Entscheidend ist, ob das für das Bankensystem verfügbare Geld schneller wächst als die Nachfrage danach — deshalb bewertet diese Seite den Fluss der Nettoliquidität und gleicht ihn mit den kurzfristigen Finanzierungssätzen ab, statt irgendein Bilanzniveau in eine Rangordnung zu bringen.
Sind die Finanzierungsmärkte ruhig und steigt die Nettoliquidität, ist das Umfeld stützend, ganz gleich was die Bilanz für sich genommen tut. Liegt der SOFR dauerhaft über dem Satz, den die Fed auf Reserven zahlt, ist es das nicht — wie groß die Bilanz auch sein mag.
Häufige Fragen
Druckt die Fed gerade Geld?
Das hängt davon ab, welche Größe gemeint ist. Diese Seite zeigt die Sechsmonatsrichtung von Fed-Bilanz, Nettoliquidität und M2 nebeneinander, jeweils aus den veröffentlichten Reihen. Steigen alle drei, lautet die umgangssprachliche Antwort ja; laufen sie auseinander, ist die ehrliche Antwort, dass einige Größen wachsen und andere nicht.
Druckt die Fed buchstäblich Banknoten?
Nein. Banknoten stellt das Bureau of Engraving and Printing im Auftrag der Fed her; sie sind ein kleiner, nachfragegetriebener Teil des Geldbestands. Was die Fed beim Kauf von Aktiva schafft, sind Bankreserven — eine elektronische Verbindlichkeit in ihrer eigenen Bilanz, keine Scheine.
Warum wächst M2, wenn die Fed nichts kauft?
Weil der größte Teil des umlaufenden Geldes von Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe geschaffen wird. Ein neuer Kredit erzeugt eine gleich hohe Einlage, und diese Einlage zählt zu M2. Die Fed beeinflusst, wie teuer das ist, muss für ein wachsendes M2 aber keine einzige Anleihe kaufen.
Ist steigende Nettoliquidität dasselbe wie Gelddrucken?
Nein. Die Nettoliquidität kann allein deshalb steigen, weil das Finanzministerium sein Konto bei der Fed abbaut oder Geldmarktfonds Mittel aus dem ON RRP abziehen. In beiden Fällen wandert vorhandenes Geld ins Bankensystem; neu geschaffen wurde nichts. Die Marktwirkung kann trotzdem real sein — deshalb lohnt es, diesen Fluss getrennt von der Bilanz zu verfolgen.
Führt Gelddrucken zu Inflation?
Nicht mechanisch. Reserven aus Anleihekäufen bleiben in den Bankbilanzen und werden nur dann zu Ausgaben, wenn Kredit und Nachfrage folgen. Von 2009 bis 2019 gab es eine große Bilanzausweitung bei dauerhaft unter dem Ziel liegender Inflation; 2021-2022 kamen zur Bilanzausweitung direkte Fiskaltransfers und Angebotsengpässe hinzu — eine deutlich andere Konstellation.